Freitag, 25. Januar 2008

1. Wie alles begann

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Es war im Jahr 2002, Januar...

Meine Chefin schickte mich zu einer Versicherung, wo ich vorübergehend auszuhelfen hatte. Dort wurde ich in einen großen Raum gesetzt. Die Tische waren zu einer Sitzgruppe angeordnet. Mir gegenüber saß ein unbekannter Mann.

Ich begann mit meiner Arbeit. Nach ein paar Tagen kamen wir ins Gespräch. Wir redeten über die damalige Grippewelle und landeten thematisch bei dem Sinn des Lebens. Ich stellte ihm meine Sicht dazu vor. "Gibt es nicht,...", erklärte ich. Er sagte, er glaube schon, dass es so etwas wie ein Höheres System oder Sein gibt, nach dem alles abläuft, das auch hinter der Entstehung des Universums steckt. Dann wäre der Sinn des Lebens, was sich dieses Höhere dabei denkt. Stimmt, dachte ich.

Zur damaligen Zeit war ich mit meinem Leben am Ende. Ich hatte in vielen Bereichen versagt. Mir erschien vieles sinnlos. Ich suchte nach mehr, wusste aber nicht wonach. Ich fühlte mich wie ein Gefangener eines Horizontes über den ich nicht hinaus blicken konnte. Das Gespräch mit dem Mann brachte mich zum Nachdenken.

Abends war ich auf dem Weg ins Kino. Es dämmerte bereits. Ich dachte über meinen Zustand nach. Ich hatte so viel Mist gebaut. Selbstmord schien mir ein Ausweg und eine Lösung zu sein. Meine Probleme erdrückten mich. Ich flüchtete vor der Realität in eine Scheinwelt, die mich ablenkte und kurze Zeit vergessen ließ...

Also saß ich bald darauf im Kino...

Kurz vor oder nach einer schrecklichen Szene wurde ein Mann gezeigt. Er steht in seinem Haus und schaut durch das Fenster hinaus in seinen Garten. Ein friedliches Bild. Er erinnert sich an seine verstorbene Familie. Das machte mich traurig. Ich wünschte mir eine Familie wie dieser Mann sie hatte.

Doch in diesem Augenblick, wie bei einem Funken in der Dunkelheit, wenn ein Licht angezündet wird, wurde meine Aufmerksamkeit von diesem Film abgelenkt auf einen Ort in mir selbst.

Es war wie als würde ein Blinder zum ersten Mal im Leben erfahren, was Licht und Farben sind. Ich erkannte, dass ich mein Leben lang von jemanden begleitet wurde. Da war jemand, der mir zeigte, "Ich bin da. Ich habe Dich lieb!". Es war als hätte ich mich vorher in einem dunklen Raum befunden, orientierungslos und verloren und wusste nicht, dass es mehr gibt, als das was ich bis dahin kannte. Und plötzlich wird ein Licht angezündet. Die beeindruckenste Erfahrung meines Lebens. Davon hatte der Fremde also gesprochen. Gott. Ganz zweifelsfrei.
Der Eindruck verblasste und ich konzentrierte mich wieder auf die Leinwand. Da hörte ich jemanden zu mir sagen, "Komm mit, ich zeig Dir was Schönes!". Ich blickte in die Richtung, aus der die Worte kamen, aber ich sah niemanden. Dann hörte ich es wieder, "Komm mit, ich zeig Dir was Schönes!". Ich saß unschlüssig in meinem Sitz. Die Stimme war sehr lieb und freundlich. Dann wiederholte es sich. Die Stimme wurde von Mal zu Mal leiser. So stand ich auf, tappte an den anderen Kinobesuchern vorbei und verließ den dunklen Saal. Als ich auf der Straße war und in die Richtung der Wiesbadener Fußgängerzone lief, fragte ich mich, ob Gott mich führte. Ich sah Menschen ihre Wege gehen. Dann passierte etwas merkwürdiges. Meine Wahrnehmung veränderte sich. Ich sah, dass die Wege der Menschen wie auf Schienen verlaufen, sah ihre Bahnen ganz klar vorgegeben, dass jeder Schritt, den wir tun, feststeht und vorausbestimmt ist wie in einem Buch, ohne dass wir es merken. So etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt. Kurz vor der Fußgängerzone bog ich dann rechts ab und lief die Rheinstraße hinunter. Bald darauf erreichte ich den Wiesbadener Luisenplatz, einen großen Platz vor einer Kirche. Es war schon dunkel. Ich wusste nichts besseres zu tun, als dort hineinzugehen. Ich hoffte, dass Gott, der sich mir vorher so eindrücklich gezeigt hatte, mich führte. Drinnen angekommen, in der Vorhalle, war ich zunächst unschlüssig und unsicher, entdeckte aber bald ein kleines Tischchen mit Gesangsbüchern. Ich nahm eines heraus und schlug es blindlings auf. Darauf fiel mein Blick wie gelenkt auf folgende Worte: "Was bringen Dir Deine Ängste und Sorgen? Kannst Du Deinem Leben damit eine Elle an Länge hinzufügen?". Diese Zeilen berührten mich. Und obwohl ich es las, wusste ich ganz genau, dass Gott selbst durch diese Worte zu mir gesprochen hatte. Ja, Sorgen hatte ich eine ganze Menge. Ich realisierte damals noch nicht, dass damit gemeint war, "Sorge Dich nicht!". Ich setzte mich und machte den Versuch zu beten. Ich schaute wieder und wieder in das kleine Büchlein und las diese Worte. "Was bringen Dir Deine Ängste und Sorgen?". Darauf fragte ich einen Pfarrer in seiner Kammer, ob ich das Buch behalten darf. Er erlaubte es. So ging ich nachhause. Kurz vor dem Ziel hörte ich schon von Ferne ein merkwürdiges Geräusch. Je näher ich kam, desto lauter wurde es. Es war das Schreien, Singen und Zwitschern von hunderten Vögeln. Je mehr ich die Albrechtstraße hinauf ging, desto lauter hörte ich es. Dort auf dem anliegenden Gelände eines Gerichtes steht ein Baum, der auch im Winter seine Blätter trägt. Es war schon dunkel. Man konnte nichts sehen. Ein großer Schwarm hatte sich dort niedergelassen und erfüllte die Stille dieses Abends mit lautem Zwitschern. Und das in einer kalten und dunklen Januar-Winternacht. Ich blieb staunend vor den vergitterten Eisenstäben der Umzäunung des alten Gerichtes stehen und blickte in die Dunkelheit. Eine Frau stellte sich zu mir, wunderte sich, staunte und fragte, was das wäre. Ich holte darauf aus der anliegenden Wohnung meiner Mutter ein Tonbandgerät und nahm es auf. Ich wohnte zwischenzeitlich bei ihr. Bald darauf ging ich schlafen. Ich freute mich auf den nächsten Morgen, fragte mich, was der Mann dort davon halten würde.

Morgens auf der Arbeit ließ er nicht lange auf sich warten. Er fragte, ob ich mir über das "höhere System", wie er sagte, Gedanken gemacht hätte. Er ahnte nichts von dem, was geschehen war. "Halten Sie mich nicht für verrückt!", begann ich, "Gestern Abend...". So erzählte ich. Er saß mir gegenüber und hörte sich ruhig meine Geschichte an. An seinem Verhalten konnte ich nicht ablesen, wie er dazu dachte. Aber ich war sicher, dass er verstehen würde, wovon ich sprach. Und als ich geendet hatte, antwortete er, "Ich halte Sie nicht für verrückt. Das hört sich ganz nach meinem Gott an....".

Jetzt wurde er zum ersten Mal konkret. Ich war durch dieses Erlebnis wie vorbereitet worden auf das, was ich in den nächsten Tagen hören sollte. Denn ohne dieses hätte ich gegen seine Botschaft wohl Vorbehalte gehabt. Die folgenden Tage gab er mir Rat und Weisung, erzählte von seinen eigenen Erlebnissen mit diesem Gott, die nicht weniger erstaunlich waren. Er erzählte von Jesus Christus und von der Bibel. Ich sollte mich nicht wundern, sagte er, falls weiteres geschehen würde. Er sagte, es sei nur ein Bonbon, ein Vorgeschmack oder Appetithappen und nur der Anfang gewesen. Weiteres würde folgen. Vieles konnte ich zu dieser Zeit noch nicht verstehen. Aber ich war gespannt, was weiter geschehen würde.

Dieser Mann erzählte hinterher, dass er an dem Tag als er mir von dem "Höheren System" erzählt hatte, nach der Arbeit gebetet hatte, "Vater, ich kann ihm nichts geben. Du musst ihn selbst berühren.".

Bald darauf mussten wir uns trennen. Er gab mir noch einen wichtigen, letzten Hinweis mit auf den Weg. Er sagte, "Sören, ich kann Dir nichts geben. Ich weiß nicht, wie Dein Leben weiter verlaufen wird, aber der Schlüssel liegt in Jesus Christus.". Was meinte er damit, "Der Schlüssel liegt in Jesus Christus."? Ich beschloss, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen...

Merkwürde Dinge geschahen in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren. Ich hatte seltsame Träume, wie ich sie vorher nicht kannte. Es passierten Sachen, die einfach nicht sein können. Gleichzeitig begann ich in der Bibel zu lesen. Ich begann mit den Propheten. Und was ich da las, war nicht sehr erbaulich! Ich fürchtete mich, weil ich erkannte, dass dort auch von mir die Rede war. Irgendwann begann ich ein Evangelium zu lesen. Da war zum ersten Mal von Jesus die Rede, von Gott selbst, der als Mensch in diese Welt gekommen war, um die Schuld der Menschen auf sich zu nehmen. Dies musste die Lösung sein. Ich beschloss, die Einladung Gottes an mich anzunehmen. Ein halbes Jahr später im Sommer ließ ich mich taufen. Ich bekannte Gott meine Fehlerhaftigkeit und die Dinge, die ich getan hatte und bat Gott, Jesus, mir zu vergeben. Zu der Zeit, im Sommer 2002, stand ich noch immer vor dem Scherbenhaufen meines Lebens. Zuhause habe ich diesen Gott gebittet, mir zu helfen, dass mein Leben in Ordnung kommt. Da kamen keine Vorhaltungen, sondern immer nur "Ich hab Dich lieb! Ich stehe über Dir wie eine Mutterkuh über ihrem Kalb.". Das Bild ist vielleicht etwas merkwürdig, aber so hat Gott es mir gezeigt. Ich begann mit diesem Gott zu reden, ihm zu erzählen, was mir auf dem Herzen liegt, wie mit einem Freund oder einem Vater.

Die folgenden Jahre waren ein Prozess voller Veränderungen. Ich lernte, dass ich mit meinen Fragen und Ängsten zu ihm gehen darf. Ich dachte immer, wenn es einen Gott gibt, dann sei er unpersönlich, unnahbar. Doch weit gefehlt. Gott begann mich zu verändern. Es gab Entscheidungen, die ich treffen musste. Und zwischendrin gibt es immer wieder Mal ein Bonbon, mit dem Gott mich tröstet, mir zeigt, dass Er mich lieb hat oder etwas ganz anderes hat, was ich wissen muss... So begann ich Ihm zu vertrauen, jemanden, den ich mit meinen Augen nicht sehe, von dem ich aber weiß, dass Er immer da ist...

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